FOOD-Lab interviewte Dr. Tim Rau zu den Anforderungen der Branche an Kandidaten in den Bereichen QM,QS und Labor sowie Rahmenbedingungen und Trends am Markt.

Dr. Tim Rau äußerte sich u.a. über den Arbeitsmarkt für Spezialisten im Qualitätsbereich und welche Anforderungsprofile die Unternehmen an diese haben.

Food-Lab: Wie sehen Sie den Arbeitsmarkt für Spezialisten im Qualitätsbereich?

Dr. Rau: Da muss man nach unserer Einschätzung unterscheiden. Bei kleinen und mittleren Unternehmen und bei unterem bis mittlerem Managementlevel sind Positionen meist gut besetzbar. Bei Mittelstand und Großunternehmen und insbesondere bei Top-Positionen nimmt die Nachfrage sowohl an ausgewiesenen Spezialisten als auch an Führungskräften bei unseren Kunden spürbar zu, sodass sie teils das Kandidatenangebot deutlich übersteigt.

FOOD-Lab: Welche Anforderungsprofile haben Unternehmen für Spezialisten?

Dr. Rau: Bei hochspezialisierten Positionen geht es teils um Rückstandsanalytik, Lebensmittelrecht, Non Profit Organisationen (NGOs), Health Claims und andere spezifische Anforderungen, die ein sehr „spitzes“ Suchprofil zeichnen. Es werden fast immer Lebensmitteltechnologen mit guten Kenntnissen der Analytik gesucht oder Lebensmittelchemiker mit technologischen Kenntnissen, manchmal auch Oecotrophologen. Aufgrund der aktuellen, genannten Themen rund um Lebensmittelsicherheit, -recht und NGOs, sind derzeit insbesondere Lebensmittelchemiker gesucht. Zertifikate und Erfahrungen in QM-Systemen IFS, BRC, ISO22001, aber auch kosher und halal werden meist vorausgesetzt. Auch Kenntnisse in gängigen ERP- und Labor-Informations-Management-Systemen werden erwartet. Und dann kommen je nach Produkt oder Absatzkanal spezifische und teils hohe Anforderungen dazu, wie z.B. bei Frische, Babyfood, Krankenhaus-Ernährung etc. Bei aller fachspezifischen Spezialisierung wird es immer wichtiger, auch „Übersetzer“ für Management, andere Funktionen und teils externe Partner zu sein.

FOOD-Lab: Und bei Führungskräften?

Dr. Rau: Bei den Führungspositionen geht es aktuell häufig um die Entwicklung einer neuen Rolle des Qualitätsbereichs im Zusammenspiel mit anderen Funktionen – oft werksübergreifend oder in einer international koordinierenden Zentralfunktion. Hier bestehen die gleichen Grundvoraussetzungen wie bei Spezialisten und zusätzlich der Nachweis eines entsprechenden Karrierepfades bzw. Erfahrungen und Erfolge die für eine Führungsverantwortung qualifizieren. Hier ist jedoch vor allem die richtige Einstellung und Philosophie des Kandidaten entscheidend: wurde früher die Qualitätssicherung als „Polizei“ gesehen, soll sie heute eine deutlich integriertere, gestaltende und lösungsorientierte Rolle spielen und hat an Gewicht innerhalb der Organi-sation gewonnen. Hierfür werden Kandidaten mit sozialer Kompetenz, Teamorientierung und guter Kommunikationsfähigkeit – auf allen Ebenen und auch in englischer Sprache – gesucht. Als Businesspartner ist auch ein gutes betriebswirtschaftliches Verständnis erforderlich, um den eigenen Bereich effizient zu gestalten, aber auch übergreifende Entscheidungen mit unternehmerischem Weitblick zu treffen.

FOOD-Lab: Das klingt nach ziemlich hohen Anforderungen.

Dr. Rau: Ja, das sehe ich auch so. Daher ist die Nachfrage nach Kandidaten mit Deckung, wie gesagt, sehr hoch. Ich würde jedem Kandidaten, der seine Karriere weiterentwickeln möchte, empfehlen, sich die weichenstellende Frage zu beantworten, ob er die Spezialisten- oder Führungslaufbahn einschlagen möchte und auch kann. Ein hervorragender Spezialist hat nicht immer die Anlagen für eine erfolgreiche Füh-rungskraft – und umgekehrt. Dann sollte man entsprechende beruflichen Herausforderungen und Highlights on-the-job suchen und meistern, die einen für mehr Verantwortung bzw. den nächsten Schritt auf seinem Karrierepfad empfehlen. Off-the-job sollte er sich die entsprechenden fachlichen Qualifikationen und Zertifikate dazu erwerben.

FOOD-Lab: Und dann klappt das mit dem Traum-Job?

Dr. Rau: Ja, sollte man meinen. Leider gibt es noch die Hürde Nummer 1 – die mangelnde Mobilität der Kandidaten. Die Lebensmittelindustrie, insbesondere die Werke sind oft weit weg von Metropolen und vom derzeitigen Lebensmittelpunkt passender Kandidaten. Wer umzugsmobil ist, erhöht seine Chance auf interessante Jobangebote um ein Vielfaches und hat dann manchmal später bessere Möglichkeiten, in seiner eigentlichen Wunschregion interessante Jobs zu finden. Bei Führungskräften mit werksübergreifender oder zentral-koordinierender Rolle in internationalen Strukturen kommt dann noch zur Umzugsmobilität die Bereitschaft zur intensiven Reisemobilität dazu.

FOOD-Lab: Ein Thema, das viele sehr interessiert, über das aber kaum offen gesprochen wird – was können denn solche Kandidaten verdienen?

Dr. Rau: Hier verweise ich gerne auf unsere Gehaltsstudie, die wir auf unserer Homepage veröffentlichen. Dort findet man auch den Gehaltsrechner mit einer individuellen Auswertung nach den wichtigsten Parametern. Die Bandbreite der Gehälter ist je nach Position groß und wird bestimmt von Region, Branchen- und Produktsegment, Unternehmensgröße etc., aber letztlich von Angebot und Nachfrage für das Profil. Daher heben sich realisierte Gehälter für Kandidaten mit einem sehr gesuchten und seltenen Profil, wie oben beschrieben, teilweise deutlich ab.

FL: Danke für das Interview.
Das Interview führte Dipl. Ing. Thomas Kützemeier

Das Interview Q-Manager sind sehr gesucht'von Dr. Tim Rau hier nochmals als Download.