Fehlbesetzungen können Unternehmen teuer zu stehen kommen. Mit welchen Kosten man rechnen muss, fasst Dr. Tim Rau, Geschäftsführer der Rau Consultants GmbH in Wörthsee, zusammen.

Als Faustregel gilt: Eine Fehlbesetzung kostet zwischen eineinhalb und drei Jahresgehälter. Doch tatsächlich sind die finanziellen Folgen oft um ein Vielfaches gravierender. Je nach Größe und Position kann eine einzige Fehlbesetzung ein ganzes Unternehmen ruinieren. Die Beispielrechnung (s. Tabelle) für den Vertriebsleiter eines mittelständischen Unternehmens mit einem Umsatz in dreistelliger Millionenhöhe zeigt, welche Kosten auftreten. Er ist seit zwei Jahren beschäftigt und verdient 140.000 Euro.

Zu den direkten Kosten gehören die Abfindung von mindestens einem Monatsgehalt pro Jahr und eventuell anfallende Rechtskosten, die sich schnell in überraschende Höhen entwickeln können. Bei der Einstellung des neuen Mitarbeiters fallen für externe Personalberater Honorare von etwa 30 Prozent des Jahresgehalts plus Nebenkosten an. Oft wird bei der Nachbesserung einer Fehlbesetzung ein signifikanter Gehaltsaufschlag erforderlich. Hinzu kommen Schulungen im Rahmen der Einarbeitung. Selbst bei vorsichtiger Schätzung summieren sich die direkten Kosten somit bereits auf zwei Drittel des Jahresgehalts. Das ist den Unternehmen meist bewusst.

Indirekte Kosten dagegen werden häufig übersehen. Sowohl in der Austritts- als auch in der Einarbeitungsphase entstehen Produktivitätsverluste. Denn der Vorgänger wird nach der Kündigung bis zu seinem Ausscheiden sicherlich nicht mehr hundert Prozent seiner Leistung bringen. Und bei einer Fehlbesetzung ist ohnehin davon auszugehen, dass seine hundert Prozent bereits auf einem zu niedrigen Niveau für das Unternehmen lagen. Der Nachfolger braucht dann bis zu einem Jahr, um seine volle Produktivität zu erreichen.

In dieser Übergangsphase muss der Vorgesetzte oft einen Großteil seiner eigenen – und noch teureren – Kapazität einbringen: als kommissarischer Stelleninhaber und Mentor. Bei Führungspositionen multipliziert sich der Produktivitätsverlust im Team mit der Anzahl der Mitarbeiter, die während dieser Zeit ohne Führung, Orientierung oder Motivation sind. Zudem zieht eine Fehlbesetzung häufig einen Anstieg der Fluktuation nach sich. Das ist besonders schmerzlich, wenn ganze Teams zur Konkurrenz wechseln. Am Beispiel des Vertriebsleiters summieren sich die indirekten Kosten, vor allem aufgrund seiner Führungsverantwortung, auf knapp drei Jahresgehälter.

Opportunitätskosten schließlich fallen für entgangene Chancen an. Sie sind besonders schwierig zu erkennen und finanziell zu bewerten, doch bei strategischen Positionen sehr real und meist mit Abstand der größte Kostenblock einer Fehlbesetzung. Dazu zählt etwa, dass ein verärgerter Kunde zur Konkurrenz abwandert, dass Image- und Vertrauensverlust Druck auf Absatz und Preise ausüben oder dass sich Leistungsträger aus dem Team nach Jobs im Wettbewerbsumfeld umschauen. Und das ist nur ein kleiner Ausschnitt dieser Effekte, die sich teilweise über mehrere Jahre auswirken und schnell auf ein zehnfaches Jahresgehalt summieren können. Im Rechenbeispiel wirkt sich der relativ große Ergebnisbeitrag des Vertriebsleiters verstärkend aus.

Man sollte sich deshalb gerade bei der Besetzung wichtiger Positionen nicht unter Zeitdruck setzen und Entscheidungen überhastet treffen. Es lohnt sich, über das Anforderungsprofil gründlich nachzudenken und dieses ebenso gründlich und ehrlich mit dem Kandidaten abzugleichen. Man sollte bei Einstellungsentscheidungen aber auch immer auf seinen Bauch hören, um zu verhindern, dass ein Bewerber zwar aus fachlichen Gründen eingestellt, bald darauf jedoch aus persönlichen Gründen wieder entlassen wird.

Dr. Tim Rau, Rau Consultants GmbH

Lesen Sie den gesamten Artikel Eine Kündigung kann teuer werden, erschienen in der Lebensmittelzeitung am 16.04.2010