Changemanagement in der Praxis 5. Folge 'Energy Shot'

Changemanagement in der Praxis

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Die Rau Consultants haben über 100 Veränderungsprojekte in der Lebensmittelindustrie und anderen Branchen bei Unternehmen jeder Größe begleitet. In der Praxis haben sich Ansätze und Maßnahmen herauskristallisiert, die in einer sechsteiligen Reihe mit ihren Vorteilen und Fallstricken dargestellt werden. In dieser fünften Folge geht es um den „Energy Shot“, der in Veränderungsprojekten schnell hochkonzentrierte Energie liefern und dazu noch euphorisierend wirken soll.

Veranstaltungen mit Erlebnischarakter

Die Zutaten von „Engery Shot“ sind einfach und angenehm zu konsumieren und zu verdauen und geben einen schnellen Energieschub. Typische Beispiele sind Incentive- oder Motivationsveranstaltungen in Unternehmen. Diese haben oft anglizistische Titel wie „Future“, „Boost“, „Success“ oder ähnlich, die jung, dynamisch und erfolgreich klingen. Es sind immer Gruppen-, häufig sogar Großgruppenveranstaltungen. Mit einer großen Teilnehmerzahl setzt eine Art mitreissender Effekt auf die Teilnehmer ein, wodurch sich die motivierende Wirkung und vor allem das Wir-Gefühl verstärken. Auch Orte dieser Veranstaltungen sind häufig außergewöhnlich – statt Betriebskantine oder großer Sitzungssaal, geht man gemeinsam auf eine hochalpine Hütte, ein Schiff, in ein Theater oder imposantes Industriedenkmal. Nur für die Auswahl des Ortes gibt es spezielle „Location-Scouts“ bei Event-Agenturen. Die Moderatoren der Veranstaltung sind manchmal bekannt aus Film, Funk und Fernsehen und verleihen dem Event zusätzlich besonderen Glanz. Auch kommen häufig Motivationstrainer zum Einsatz, die der Menge einheizen oder Extremsportler, die berichten, dass mit dem richtigen Willen nichts unmöglich ist. Insgesamt soll solch eine Veranstaltung ein beeindruckendes Erlebnis für die Teilnehmer sein.

Ursprünglich nur für Vertriebsmitarbeiter

 Typisch und häufig anzutreffen ist der Einsatz von „Energy Shots“ eher bei großen als bei kleinen Unternehmen und im Vertriebsbereich, wo diese Veranstaltungen ihren Ursprung haben. Gerade viele Vertriebsmitarbeiter haben sich schon an diese Art von Events gewöhnt und brauchen immer höhere Dosen in Form von noch ausgefalleneren Ereignissen an noch exotischeren Plätzen. Bei Change Management Projekten werden „Energy Shots“ vor allem in folgenden Phasen eingesetzt: Zum Start eines Veränderungsvorhabens, um das Projektteam positiv einzustimmen und das Gefühl von Zuversicht und Zusammengehörigkeit zu geben, damit das Team schwungvoll über die erste Schwelle kommt. Zum Ende eines Change Projekts, um die gemeinsamen Erfolge zu feiern, sich mit einer schönen Veranstaltung zu belohnen, aber auch, um das Projekt mit einem letzten Energieschub in die Linie zu entlassen, damit es dort möglichst erfolgreich verankert wird. Gerade bei längeren Veränderungsprojekten wird manchmal ein „Energy Shot“ zusätzlich zwischendurch bei drohenden Durchhängern verabreicht. „Energy Shots“ zielen fast ausschließlich auf das „Wollen“ der Teilnehmer, das neben dem „Wissen“ und „Können“ eine besondere Bedeutung für den Veränderungserfolg hat.

Katerstimmung

Wer schon einmal an einer derartigen Veranstaltung teilgenommen hat, weiß, dass man sich der motivierenden und euphorisierenden Wirkung kaum entziehen kann - selbst als Skeptiker, der diese Art als Chakka-Du-schaffst-es-Veranstaltung abtut. Eigentlich fühlt sich jeder anschließend gut und stark. Es stellt sich immer ein positives Wir-Gefühl ein und man spricht noch Tage nach der Veranstaltung über das gemeinsame Erlebnis. Jedoch haben diese unbestritten positiven Effekte meist nur eine kurze Wirkung. Danach ist sie dann entweder verpufft oder schlägt sogar in eine Katerstimmung um. Bei wiederholtem Einsatz benötigt man für dieselbe Wirkung meist höhere Dosen von „Energy Shot“. Die Kosten sind vergleichsweise hoch. Eine durchgestylte Großgruppenveranstaltung kann schnell zig- oder hunderttausende Euro kosten.

Weniger Chakka, dafür längere Wirkung

Insbesondere bei „Energy Shots“ sollten daher Nutzen und Aufwand gründlich abgewogen werden. Je stärker der vordergründig motivierende Effekt sein soll, desto teurer wird meist die Maßnahme. Wenn eine Veranstaltung jedoch stärker auf Mit- und Zusammenarbeit der Teilnehmer am Thema ausgerichtet ist, ist der Energie Schuss unter Umständen kurzfristig nicht ganz so groß, hält dafür jedoch länger an und spart Kosten. Außerdem sollte man sich im Klaren sein, dass bis zu drei punktuelle Maßnahmen allein nie ausreichen, um ein Veränderungsprojekt erfolgreich werden zu lassen. Konzertiert mit anderen Maßnahmen des Change Managements können „Energy Shots“ auf den Projekterfolg jedoch einen spürbar positiven Einfluss haben.



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